Systemische Aufstellungen nach Hellinger

Im Familienstellen werden Verstrickungen sichtbar

Es zeigen sich dabei die Grundmuster und Beziehungen aller relevanten Familienmitglieder. Die Dynamiken und die zugrundeliegenden Verstrickungen werden deutlich. Wichtig ist die Grundordnung im Familiensystem zu erreichen – jeder ist auf seinem richtigen Platz und erfährt die ihm zustehende Würdigung.

Mit der entsprechenden Grundhaltung – ich nehme und sehe alles wie es ist – ohne Wertung – ohne Moral – ich beobachte und lass es so wie es ist wirken. Durch absichtsloses „Schauen“ und „Hören“ im „wissenden Feld“ – das entsteht bei den Aufstellungen – zeigen sich die zu lösenden Verstrickungen und die passenden Worte für die Lösung.

Phänomenologische Sichtweise

Die phänomenologische Sichtweise ist ein philosophischer Ansatz, der untersucht, wie Menschen die Welt erleben und wahrnehmen, anstatt zu fragen, wie die Welt objektiv "an sich" ist.

Der Begriff geht auf Edmund Husserl zurück und wurde später unter anderem von Martin Heidegger, Maurice Merleau-Ponty und Jean-Paul Sartre weiterentwickelt.

Kerngedanken

  • Erleben statt Erklären: Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie erscheint etwas im Bewusstsein?
  • Subjektive Erfahrung: Jeder Mensch erlebt dieselbe Situation unterschiedlich. Diese individuelle Erfahrung wird ernst genommen.
  • Vorurteilsfreie Beschreibung: Man versucht, eigene Annahmen und Vorwissen möglichst zurückzustellen (dies nennt Husserl die Epoché oder phänomenologische Reduktion), um das Erleben möglichst unverfälscht zu beschreiben.
  • Sinngebung: Menschen geben ihren Erfahrungen Bedeutung. Diese Bedeutung entsteht im Erleben selbst.

Hellinger betont das Phänomen des primären liebevollen und abhängigen Bezuges des Kindes zu seiner Familie. Dieser Bezug ist jedem Menschen bekannt und jeder hat intuitiven Zugang zu ihm. Er ist vom notwendigen Geben und Nehmen bestimmt - des Kindes zu den Eltern und der Geschwister untereinander. Dieses Geben und Nehmen kann aus der Ordnung geraten, wenn etwa das Kind versorgende Aufgaben für die Eltern übernehmen muss etc. Im Familienstellen werden sogenannte „Schieflagen“ sichtbar und können richtiggestellt werden.

Wissendes Feld

Jedem Menschen ist der primäre Familienbezug bekannt. So können in der Familienaufstellung Stellvertreter für die grundlegenden Bezüge auch einer anderen, ihnen unbekannten Familie intuitiv erfassen. Gegenstand der Intuition ist das gedanklich freie Spüren ohne subjektive Mutmaßungen. Es geht nur um das unmittelbare Empfinden zueinander. Das Erkennen geschieht nicht am Einzelnen, sondern entsteht mit den Bezügen in der Gruppe: das Feld weiß mehr als der Einzelne. Der Aufstellungsleiter greift dieses Feldwissen auf und macht es für alle sichtbar, überwindet also die vereinzelte Perspektive.

Das morphogenetische Feld (auch morphisches Feld) ist eine Hypothese des britischen Biologen Rupert Sheldrake.

Sheldrake schlug vor, dass in der Natur unsichtbare Felder existieren, die die Form und Entwicklung von Organismen beeinflussen. Nach seiner Theorie enthalten diese Felder eine Art „Gedächtnis“ früherer ähnlicher Systeme. Er nannte diesen Prozess morphische Resonanz.

Beispiele, die im Rahmen der Theorie diskutiert werden:

  • Wie sich biologische Formen entwickeln.
  • Wie Verhaltensweisen innerhalb einer Art entstehen und sich ausbreiten.
  • Warum bestimmte Muster in der Natur wiederkehren.

Wissenschaftliche Bewertung

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der wissenschaftlichen Verwendung des Begriffs und Sheldrakes Theorie:

  • In der Entwicklungsbiologie wurde der Begriff morphogenetisches Feld ursprünglich verwendet, um Zellverbände zu beschreiben, die gemeinsam an der Entwicklung bestimmter Körperstrukturen beteiligt sind. Das ist ein biologisches Konzept innerhalb der Embryonalentwicklung.
  • Sheldrakes morphische Felder gehen deutlich darüber hinaus und postulieren nicht messbare Informationsfelder.

In manchen spirituellen oder systemischen Kontexten wird das „wissende Feld“ mit Sheldrakes Idee der morphischen Felder in Verbindung gebracht. Dabei wird angenommen, dass Informationen über Personen, Familien oder Gruppen in einem gemeinsamen Feld gespeichert seien. Diese Verbindung ist jedoch eine Interpretation bestimmter Praktiker und keine wissenschaftlich bestätigte Tatsache.

Schwere Schicksale

In Familienaufstellungen kommt es nicht auf die subjektiven Lebensgeschichten, sondern aber auf die grundlegenden Lebensvollzüge an. Diese sind durch die allgemeine familiäre Struktur, Kind von Eltern und später Geliebter oder Geliebte zu sein oder auch Eltern von Kindern oder Geschwister unter Geschwistern; jenseits dieser allgemeinen Strukturen können auch besondere Muster gelten, die durch schwere Schicksale im familiären System geformt werden, etwa früher Eltern- oder Kindstod, Ausgrenzungen oder Trennungen. schwere Krankheiten oder Kriegsschicksale.

Hinwendung & Ordnung

Das Erkennen der Ordnungen bringt uns in einen tiefen, bewegenden Kontakt mit dem menschlichen und ermöglicht uns schicksalhafte Ereignisse, Begrenzungen, Ordnungen und Bindungen anzunehmen.

Mit Familienaufstellungen kommen Verstrickungen ans Licht. Aus der Einsicht in die unbewusst vorhandenen seelischen Bindungen ergeben sich Lösungsmöglichkeiten aus solchen Verstrickungen, zum Beispiel durch die vollzogene Hinwendung zu einer ausgegrenzten Person mit Liebe und Achtung. Die Würdigung vorangegangener Schicksale wird als spürbare Entlastung erlebt. Eine neue Ordnung entsteht, die stärkend wirkt, und der Mensch wird frei für seinen Weg.

Durch das Miterleben und die Stellvertretung in fremden Familienbildern findet ein ständiger Erfahrungs-/Lernprozess statt, bei dem sich zusätzlich neue Perspektiven für die eigenen Beziehungszusammenhänge eröffnen.